Gesundheitsprobleme möglich: Erhöhte Strahlung an Fracking-Bohrlöchern

Gesundheitsprobleme möglich: Erhöhte Strahlung an Fracking-Bohrlöchern


Die Förderung von Erdöl und Erdgas durch Fracking ist umstritten – auch wegen Folgen für die Umwelt. Nun berichten Forscher von erhöhter Strahlung um Bohrlöcher. Das könne die Gesundheit von Anwohnern gefährden.

In der Umgebung von Fracking-Bohrlöchern in den USA haben Wissenschaftler erhöhte Werte von radioaktiven Partikeln festgestellt. 100 zusätzliche Bohrlöcher im Abstand bis 20 Kilometer sind in Modellrechnungen verbunden mit einem Anstieg um 0,024 Millibecquerel pro Kubikmeter Luft. Dies sei eine Größenordnung, die beim Menschen möglicherweise zu gesundheitlichen Problemen führen könne, schreibt eine Gruppe um Petros Koutrakis von der Harvard-Universität in Boston im Fachmagazin „Nature Communications“.

Seit den frühen 2000er Jahren hat die Förderung von Erdöl und Erdgas durch Fracking einen Aufschwung erlebt. Um aus Gesteinsschichten Öl fördern zu können, wird Wasser mit hohem Druck hineingepresst, um Risse im Gestein zu erzeugen. Gegenüber der konventionellen Öl- und Gasförderung fallen dabei große Mengen Abwasser an. Zudem wird mehr Erde zutage gefördert, weil die meisten solchen Ölreservoire schräg angebohrt werden – während bei konventioneller Ölförderung fast immer senkrechte Löcher gebohrt werden.

„Der Einfluss von unkonventioneller Öl- und Gasförderung auf die Radioaktivität von Umgebungspartikeln ist noch nicht wirklich verstanden“, schreiben die Forscher. Um diesem Einfluss auf die Spur zu kommen, nutzten sie eine Datenbank, in der 1,5 Millionen Bohrlöcher verzeichnet sind, sowie die Daten von Radnet, einem überregionalen Netzwerk in den USA zur Überwachung der Umweltstrahlung. Insgesamt analysierten sie mehr als 320.000 Messungen radioaktiver Partikel an 157 Radnet-Monitoren im Zeitraum von 2001 bis 2017. In Rechenmodellen setzten Koutrakis und Kollegen die Bohrlöcher mit den Messwerten in Beziehung, unter Berücksichtigung der Windrichtung.

Größere Mengen Bohrkernmaterial

Bei jeder Art von Erdöl- und Erdgasförderung kommen radioaktive Partikel an die Oberfläche. Beim Zerfall von Uran-238 bildet sich unter anderem das gasförmige Radon-222. Dessen Zerfallsprodukte verbinden sich über verschiedene Prozesse mit Staubteilchen in der Luft. Mit einem Anstieg um 0,024 Millibecquerel pro Kubikmeter Luft für zusätzliche 100 Bohrlöcher liegt der errechnete Wert für die Fracking-Förderung von Öl und Gas erheblich höher als der für die konventionelle Förderung mit weniger als 0,004 Millibecquerel. Dies gilt jeweils in einem Umkreis von 20 Kilometern um die Bohrlöcher, weiter entfernt nimmt die Strahlung rasch ab.

Die Forscher führen die erhöhte Radioaktivität bei unkonventioneller Öl- und Gasförderung vor allem auf die größeren Mengen Bohrkernmaterial und die großen Mengen Abwasser zurück. Die Erde aus den Bohrlöchern wird den Forschern zufolge von der US-Umweltbehörde Epa nicht als gefährlicher Abfall eingestuft und kann von Bohrfirmen für verschiedene Zwecke genutzt werden.

Auch wenn die Erhöhung der Strahlungswerte gegenüber dem überregionalen durchschnittlichen Strahlungswert von 0,35 Millibecquerel pro Kubikmeter Luft recht gering erscheinen mag, gehen die Forscher von Folgen für die Bevölkerung in der Nähe der Bohrlöcher aus: „Partikelgebundene Radon-Zerfallsprodukte setzen nach dem Einatmen weiterhin ionisierende Strahlung frei und können daher selbst bei den in dieser Studie beobachteten Werten systemischen oxidativen Stress und Entzündungen auslösen“, schreiben sie.



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