Spahn fordert Konsequenzen Noch mehr Corona-Fälle in Coesfeld


Im Kreis Coesfeld sind die Corona-Infektionszahlen weiter gestiegen. Die Zahl der Neuinfektionen liegt dort deutlich über dem von Bund und Ländern festgelegten Grenzwert. Gesundheitsminister Spahn fordert Konsequenzen von den Landkreisen.

Nach einem Corona-Ausbruch in einem Fleischbetrieb sind die Infektionszahlen im Kreis Coesfeld in Nordrhein-Westfalen weiter gestiegen. Am Sonntag seien im Kreisgebiet 780 nachgewiesene Ansteckungen verzeichnet worden, 35 mehr als am Samstag, sagte ein Kreissprecher.

Laut Robert Koch-Institut lag die Zahl der Neuinfektionen in dem Kreis im Münsterland binnen einer Woche bei knapp 96 pro 100.000 Einwohner – und damit deutlich über der festgelegten Obergrenze von 50.

Spahn fordert konsequentes Durchgreifen

Neben Coesfeld liegen aktuell auch die Landkreise Greiz und Sonneberg in Thüringen über der Grenze von 50, die Stadt Rosenheim in Bayern liegt mit 49 nur knapp darunter. Angesichts wieder steigender Infektionszahlen fordert Bundesgesundheitsminister Jens Spahn ein konsequentes Vorgehen der Behörden in den betroffenen Regionen.

„Wir brauchen das beherzte und umfassende Vorgehen vor Ort“, sagte Spahn Sonntagabend im ZDF. Nur wenn dies zügig und konsequent gelinge, werde verhindert, dass es auch bundesweit „ganz andere Entwicklungen“ gebe.

Spahn sagte, alle Infektionsausbrüche müssten sofort nachvollzogen werden. Dies müsse allen bewusst sein, ob in den Kommunen, in den Ländern oder beim Bund.

Greiz verschiebt Entscheidung über Konsequenzen

Der Krisenstab des Landkreises Greiz will entgegen früherer Ankündigungen doch nicht heute über das weitere Vorgehen entscheiden. Wie die Pressestelle des Landratsamtes mitteilte, will der Stab die Empfehlungen der Task Force des Thüringer Gesundheitsministeriums abwarten und danach entscheiden.

Die Task Force soll morgen in Erfurt tagen. Nach Angaben des Greizer Landratsamtes steht aktuell lediglich fest, dass Menschen in Pflegeeinrichtungen auch nach dem 12. Mai nicht besucht werden dürfen. Die Verordnung des Freistaats dagegen sieht ab Mittwoch wieder Besuche vor. Greiz hat derzeit – gemessen an der Einwohnerzahl – bundesweit nach Coesfeld die meisten Corona-Neuinfektionen. Betroffen sind vor allem Bewohner und Personal von sechs Pflegeheimen und einer Geriatrie-Klinik.

R-Wert über „1“ gestiegen

Die Virus-Ansteckungsrate in Deutschland ist nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) den zweiten Tag in Folge wieder über den kritischen Wert von 1,0 gestiegen.

Das RKI teilte am Sonntagabend mit, die Reproduktionsrate (R) werde aktuell auf 1,13 geschätzt, nach 1,1 am Samstag. Noch am Freitag hatten die Experten den Wert auf 0,83 geschätzt. RKI-Chef Lothar Wieler hatte wiederholt erklärt, eine Rate unter 1,0 sei sehr wichtig, um die Pandemie einzudämmen.

Es könne aber noch nicht bewertet werden, ob sich der während der vergangenen Wochen sinkende Trend der Neuinfektionen weiter fortsetze oder es zu einem Wiederanstieg komme. Die Entwicklung der nächste Tage müsse sehr aufmerksam beobachtet werden.

Die Reproduktionszahl gibt an, wie viele Menschen ein Infizierter während seiner Erkrankung im Schnitt mit dem Erreger ansteckt.
Wenige Neuinfektionen

Das RKI gab die Zahl der in Deutschland mit dem Coronavirus infizierten Menschen am Montag mit 169.575 an – ein Plus von 357 seit dem Vortag.

Allerdings kann es bei der Übermittlung der Fälle – gerade nach einem Wochenende – auch zu einem Melde- und Übermittlungsverzug von einigen Tagen kommen, sagt das RKI.

Nach Angaben des RKI stieg die Corona-Opferzahl um 22 auf 7417. Rund 145.600 Menschen gelten inzwischen als genesen.