Tote trotz Feuerpause?: Berg-Karabachs Waffenruhe bleibt fragil

Tote trotz Feuerpause?: Berg-Karabachs Waffenruhe bleibt fragil


Von Anfang an steht die Pause in den Auseinandersetzungen zwischen Armenien und Aserbaidschan um die Region Berg-Karabach unter keinem guten Stern: Schon fünf Minuten nach Beginn wird der erste Verstoß angeprangert. Die Vorwürfe sind mittlerweile aber sehr viel schwerwiegender.

Die Waffenruhe in der zwischen Armenien und Aserbaidschan umstrittenen Kaukasus-Region Berg-Karabach erweist sich als brüchig. Einen Tag nach ihrem Inkrafttreten warfen sich die Konfliktparteien gegenseitig vor, die Vereinbarung erneut gebrochen und Zivilisten angegriffen zu haben. Bereits am Samstag hatten sie einander beschuldigt, nur wenige Minuten nach Beginn der Waffenruhe am Mittag Angriffe gestartet zu haben.

Aserbaidschan erklärte, armenische Kräfte hätten ein Wohngebiet in Gandscha am frühen Sonntagmorgen schwer beschossen. Ein Wohnhaus in der zweitgrößten Stadt des Landes sei getroffen worden. Die aserbaidschanische Generalstaatsanwaltschaft teilte mit, dabei seien fünf Menschen getötet und 28 verletzt worden. Der Angriff verstoße gegen die Bestimmungen der Genfer Konvention zum Schutz der Zivilbevölkerung. Der Twitter-Account des aserbaidschanischen Außenministeriums spricht sogar von sieben Toten und 33 Verletzten.

Das armenische Verteidigungsministerium wies die Anschuldigungen als „absolute Lüge“ zurück und warf seinerseits Aserbaidschan vor, Wohngebiete in Berg-Karabach unter Beschuss zu nehmen. Betroffen sei auch die größte Stadt Stepanakert. Der Anführer der Kämpfer in Berg-Karabach, beschrieb die Lage am Morgen als angespannt, aber noch relativ ruhig. Er warf den aserbaidschanischen Streitkräften vor, sie versuchten, die Kontrolle über die Stadt Hadrut zu bekommen – allerdings ohne Erfolg.

Schon Hunderte Tote

In Berg-Karabach im Südkaukasus leben überwiegend christliche Armenier, die dortige Führung wird von der armenischen Regierung in Eriwan unterstützt. Völkerrechtlich gehört das Gebiet zum mehrheitlich islamischen Aserbaidschan, von dem es sich jedoch 1991 losgesagt hatte. Da Armenien mit Russland verbündet ist und Aserbaidschan von der Türkei unterstützt wird, droht eine Ausweitung des Konflikts über die Region hinaus mit weitreichenden Folgen auch für die Wirtschaft. Durch den Südkaukasus laufen wichtige Erdgas- und Öl-Pipelines.

Unter Vermittlung Russlands hatten sich die Außenminister Armeniens und Aserbaidschans in Moskau in der Nacht zu Samstag auf die Waffenruhe verständigt. Danach sollen auch Gefangene ausgetauscht und die Leichen von bei den Kämpfen getöteten Menschen übergeben werden. In den am 27. September ausgebrochenen Kämpfen zwischen der aserbaidschanischen Armee und armenischen Kämpfern in Berg-Karabach sollen Hunderte Menschen ums Leben gekommen sein.





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